Logo Erbe Schinkel

English

Entwurfskizzen zu Tabernakelrahmen für die Gemäldegalerie

Zeichnung, Objektdesign

Schinkel, Karl Friedrich (13.3.1781 - 9.10.1841), Zeichner

wohl um 1827

handgeschöpftes Papier (vergé) ohne Stegschatten

Graphitstift, Feder in Braun

Blattmaß: 19,2 x 32,8

Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin
Inv.-Nr.: SM 41e.299

1822 erhielt Karl Friedrich Schinkel den Auftrag zum Bau des Königlichen Museums am Lustgarten, heute „Altes Museum“, das am 3. August 1830 eröffnet wurde. Skulpturen- und Gemäldesammlung sowie Kupferstichkabinett zogen gemeinsam ins „Alte Museum“. Abgesehen vom Museumsneubau war Schinkel auch für dessen Einrichtung verantwortlich, inklusive Rahmung der Gemälde. 1.196 Gemälde wählte Gustav Friedrich Waagen, Direktor der Gemäldegalerie, 1827 zur Sammlungspräsentation aus. In etwa die Hälfte war zu diesem Zeitpunkt noch ohne Rahmen oder die Restaurierung des vorhandenen Rahmens zu kostspielig. Schinkel stand vor der Aufgabe, innerhalb von drei Jahren Bilderrahmen für rund 600 Gemälde entwerfen und anfertigen zu müssen.

Abgesehen von wenigen individuellen Bilderrahmen für Hauptstücke der Gemäldegalerie entwickelte Schinkel eine Art „Baukastensystem“, das kosten- und zugleich zeitsparend war. Vergoldete Holzleisten vom Meter in unterschiedlichen Profilen und Profilbreiten wurden den Gemälden angepasst und mit vergoldeten Bleiornamenten, Drehstäben oder Zwickeln verziert.
Etwa 200 der rund 600 gebauten „Schinkelrahmen“ sind heute im Ausstellungs- oder Depotbereich der Staatlichen Museen erhalten geblieben. Der Verbleib der übrigen 400 Rahmen ist nur vereinzelt bekannt. Bereits 1890 als Wilhelm von Bode die Direktion der Gemäldegalerie bis 1929 übernahm, ließ er „Schinkelrahmen“ entfernen und Gemälde stattdessen in Rahmen ihrer Entstehungszeit hängen. Später sorgte der Zweite Weltkrieg für große Verluste. Im Zuge des Stilwandels hängen heute nur noch wenige Gemälde in „Schinkelrahmen“ in der Dauerausstellung.
Des Weiteren entwarf Schinkel Bilderrahmen im Einzelauftrag z.B. für Mitglieder des Königlichen Hauses, sowie Rahmen zu verschiedenen Altargemälden und zu seinen eigenen Bildern.

Das vorliegende Blatt zeigt Entwurfsskizzen zu Tabernakelrahmen und einzelnen Dekorationsdetails. Des Weiteren hat Schinkel die Bildmaße von vier Gemälden angegeben, die in Tabernakelrahmen eingefasst werden sollten: „Madonna Colonna“ und „Madonna Solly“ von Raffael, „Ecco homo“ von Andrea Mantegna sowie „Die Heilige Familie“ von Francesco Francia.
Vgl. hierzu den Entwurf des Tabernakelrahmens zu Raffaels "Madonna Solly“, Inv. SM 46.31, und zwei Zeichnungen zu Tabernakelrahmen, Inv. SM 43a.9; Inv. SM 43a.10, die als Vorlagen zum Druck der "Vorbilder für Fabrikanten und Handwerker“ angefertigt wurden, VFH 1837, Abt. II, Bl. 11; VFH 1837, Abt. II, Bl. 13. Der Tabernakelrahmen zu Raffaels „Madonna Colonna“ befindet sich heute im Depot der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin (SMB PK, Gemäldegalerie, R.I.Nr. 266), Raffaels Gemälde hängt inzwischen in einem originalen Renaissancerahmen in der Dauerausstellung.
Text: Julia Sedda (2012)

Iconclass:

48C33 * Werk der angewandten Künste (angewandte Künste, Berufe, Gesellschaft, Gewerbe, Handwerk, Kultur, Kunst, Kunstgewerbe, Künstler, Kunstwerk, Zivilisation)

48C5156 * Bilderrahmen etc. (Berufe, Buchmalerei, Gesellschaft, Kultur, Kunst, Künstler, Malerei, Malwerkzeug, Miniatur, Rahmen, Werkzeug, Zivilisation)

Literatur ⇓

Roenne, Bettina von: Bilderrahmen neu entdeckt. Das in Vergessenheit geratene Rahmenwerk Schinkels, Schulze Altcappenberg, Hein-Th.; Johannsen, Rolf H.: Karl Friedrich Schinkel. Geschichte und Poesie. Das Studienbuch, Berlin/ München 2012 2012, S. 233 Anm. 10.

Wolzogen, Alfred von (Hrsg.): Aus Schinkel's Nachlaß. Reisetagebücher, Briefe und Aphorismen, 3 Bde., Berlin 1862-1863. Bd. 4: Katalog des künstlerischen Nachlasses, Berlin 1864. Reprint 1981, 1862-1864, Bd. 2, 1862, S. 312; Bd. 4, 1864, S. 423

von Roenne, Bettina: Ein Architekt rahmt Bilder. Karl Friedrich Schinkel und die Berliner Gemäldegalerie, 2007, S. 78-83 Kat.-Nr. 38; 40, 41 mit Abb. (Entwurf und Ausfühurng).

PURL:

http://schinkel.smb.museum//index.php?id=1505869

Provenienz ⇓

Berlin; private Sammlung; Schinkel, Susanne
vierter Vorbesitzer

Berlin; öffentliche Sammlung; Preußisches Kultusministerium, Schinkel-Museum
dritter Vorbesitzer
1842 - 1879

Berlin; öffentliche Sammlung; Technische Hochschule Berlin, Schinkel-Museum
zweiter Vorbesitzer
1879 - 1923

Leningrad; öffentliche Sammlung; Eremitage
zeitweilige Verwaltung
Mai/Juni 1945 - 1958

Berlin; öffentliche Sammlung; Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie
erster Vorbesitzer
1923 - 1992

Berlin; öffentliche Sammlung; Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett
Verwalter
1992

Foto: 2011 ©
Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin

/ 6845